Jubiläumsgrat auf die Zugspitze

Mache Dinge brauchen ihre Zeit. Bei manchen Träumen ist es ähnlich. Mitunter müssen über 20 Jahre vergehen, bis sie in Erfüllung gehen. Umso schöner ist dann aber dieser Moment, wenn solch ein Traum in Erfüllung geht.
Als ich vor 21 Jahren meinen Zivildienst in Mittenwald absolvierte, wurde ich zum ersten Mal aufmerksam auf diesen genialen Grat. 6 Kilometer lang, von der Alpspitze, dem schönsten Berg Deutschlands zum höchsten Gipfel Deutschlands, der Zugspitze.
Luftig, ausgesetzt, exponiert. Kein Ort an dem man sich bei einem Gewitter aufhalten will. Zumal es nur eine Stelle mit einer Abstiegsmöglichkeit gibt. Weitere Schwierigkeiten sind: die Wegfindung, insbesondere wenn Nebel aufzieht, die Trockenheit, weil es von der Albspitzbahn bis zur Zugspitze keinen Tropfen Wasser gibt, zudem Kletterstellen bis zum 3. Schwierigkeitsgrad.
Während die meisten Begeher mit der Seilbahn auf die Zugspitze fahren und den Grat im Abstieg in Richtung Alpspitzbahn bewältigen,  wofür die Literatur 9 h veranschlagt, hatte ich mir einen anderen Weg in den Kopf gesetzt.
Wenn schon Jubiläumsgrat, dann richtig. Das heißt Start im Tal, keine Bergbahnen und alles an einem Tag.

Leider hat das vor 21 Jahren damals nicht geklappt. Der Respekt war zu groß und die Tour blieb unbegangen in meinem Kopf zurück.
Dieses Jahr aber kam wieder die Gelegenheit. Das Wetter stimmte, die Form passte und ich war seit langer Zeit wieder in der Ecke. Und genau wie damals geplant bin ich die Sache dann auch angegangen:

Start in Grainau, mit dem Rad hoch bis oberhalb vom Kreuzeck. Zu Fuß zuerst auf die Alpspitze. Damit hat man die ersten 2000 Hm schon in den Beinen bevor der Grat beginnt.


Der  anschließende Grat ist ein fortwährendes Auf und Ab. Als Schmankerl habe ich noch den Hochblasen als östlichen Eckpfeiler mitgenommen. In der Ferne sieht man den  Zugspitzgipfel mit den monströsen Gebäuden samt Baukran. Nur ganz langsam kommt er näher. Das ständige Auf und Ab zieht sich doch ordentlich in die Länge. Viel los ist hier zumindest nicht. Vorbei an der Biwakschachtel, zwischendurch ab und zu einen Riegel und einen Schluck aus der Flasche, schließlich ist nach 6 1/2 Stunden der höchste Punkt endlich erreicht.

Ein gewaltiges Gedränge rund ums Gipfelkreuz, Stau auf dem Weg dahin. Der Rummel hier wiedert mich an. Ich bin froh diese Stelle hinter mich lassen zu können. Im Abstieg ins Höllental ist zu Beginn auch noch viel Betrieb durch aufsteigende Bergsteiger.

Ab dem Gletscher wird es aber ruhig. So ruhig, dass die Gemsen unweit vom Weg äsen. Zum Glück habe ich die Steigeisen dabei sonst wäre der Gletscher noch ein ziemliches Geeier geworden, bei  dem Blankeis nicht ganz ungefährlich. Es folgt der Abstieg zur Höllentalanger Hütte und zum Schluß der mühsame Gegenaufstieg zum Kreuzeck.


Welch Freunde  zurück beim Rad zu sein. Nur noch die Abfahrt und dann liegen 3800 Hm und knapp 12 h Action hinter mir. Wow. Was für ein genialer, super eindrucksreicher Tag. Ein Traum ist wahrhaft in Erfüllung gegangen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

 

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere