Island: Cool – ja, Einsamkeit – Jein

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Ausgerüstet mit einem Viermannzelt von ALDI für 34,95 Euro, machten wir uns mit den beiden Mädchen auf den Weg in den hohen Norden. Die erste sportliche Challenge bestand darin, all das von dem wir meinten, wir würden es brauchen, in den gebuchten zwei Gepäckstücken unterzukriegen. Das waren ein großer Rucksack  und eine Skitasche, in dir wir neben Skiern, auch Kocher, Isomatten, Steigeisen, Lawinenzeug, diverse Schuhe, und Klamotten stopften, bis sie zu einer riesigen Wurst angewachsen war. Wir haben das geschafft- die Skitasche allerdings nicht ganz, oder sagen wir im Stile einer aufgeplatzen Weißwurst.

Auf Islandfotos sieht man immer wieder Sehnsuchtslandschaften, unendliche Weiten, menschenleere Gebiete. Was man auf Islandbildern nicht sieht ist:

Der Wind – starker Wind, der uns schon am Flughafen mit ordentlichen Böen begrüßte und der mit Hilfe der Kofferraumtür unseres Mietwagens sogleich zu den ersten stärken Quetschungen bei uns führen sollte. Der Wind, welcher zudem der größte Feind unseres Viermannzeltes werden sollte.

Was man dafür aber umso öfter sieht sind amerikanische und chinesische Reisegruppen, die sich rudelweise an den Touristenattraktionen der RingRoad mit Selfiesticks die Augen ausstechen. Ein Grund weshalb wir immer wieder in die Einsamkeit der Berge flüchteten. Der andere Grund, der uns in die Berge brachte, war der Schnee, der trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit immer noch reichlich vorhanden war. Die ganzen Strapazen mit den Skiern hatten sich folglich gelohnt, denn der Schnee und die Tourenbedingungen waren wirklich vorzüglich. Bis auf ein Gebiet, wo ein Heli die Superreichen von einem Gipfel auf den nächsten flog, war man hier zumindest wirklich alleine unterwegs. Zum Teil konnte bis fast auf Meeresniveau abgefahren werden, was ungefähr 1000 Tiefenmeter Abfahrt am Stück bedeudete.

Doch nicht nur Schneefreunde kommen in Island auf ihre Kosten- ungefähr jeder zweite Tag endete in einem Hotpot, die berühmten heißen Quellen Islands versöhnten uns an windigen Tagen und bei Regenwetter. Dampfende Soltafaren, Schwefelquellen und Vulkane und dazu eine Sonne die fast rund um die Uhr nicht unterging faszinierten uns und bestimmten unsere Route. Wir haben, wie die meisten Touristen an all den schönen Flecken Halt gemacht, wir waren Teil einer expandierenden Masse von Menschen, die sich an den Naturschönheiten erfreute und gleichzeitig suchten wir uns immer wieder kleine Highlights abseits der ausgetretenen Pfade.

Ein Höhepunkt, den der gnädige Wettergott mir bescherte, war die Besteigung von Islands höchstem Berg, dem Hvannadalshnukur, den ich dank Skiern, Sonnenschein und beinahe Windstille ratzfatz bestieg während der Rest der Familie noch friedlich schlafend im Zelt lag.

Achja, a propos Zelt: am drittletzten Tag konnte das bereits verarztete Ding nur mit Hilfe einer NotOP noch gerettet werden. Die Stapazen waren schlichtweg zu groß. Zu Hause musste es letzlich beerdigt werden.

 

Island hat uns vier beeindruckt und zugleich erschreckt- zeichnet sich doch im Tourismus ein derartiger Boom ab, dass zu befürchten ist, dass Island demnächst ein einziger großer Vergnügungspark für zahlungsfreudige Jeeptouristen, Reisgruppen und Heliskier wird.

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