24h Rennen Stuttgart – MTB around the clock –

Seit ein paar Jahren reift in mir der Gedanke 24 Stunden schlaflos im Sattel zu verbringen. Erfahrung als Teamfahrer in zweier- und vierer-Teams konnte ich in den letzten 3 Jahren mehrfach sammeln. Jede Veranstaltung war ein Highlight aus sportlicher Sicht und auch der Spaßfaktor rund um die Rennen war sehr hoch, gleicht doch das Fahrerlager einem Festivalgelände.

Bei der Planung im Frühjahr diesen Jahres wurde dann Nägel mit Köpfen gemacht. Die Auswahl fiel auf Stuttgart, da dieses Rennen in der zweiten Saisonhälfte lag und somit noch viel Zeit zur Vorbereitung vor mir lag. Die Anmeldung war mit ein paar Mouseclicks erledigt, problemlos.

Jetzt stellte sich die Frage: wie gehe ich das an? Man sagt ja, dass man im Beruf vom Sport profitieren kann, geht doch auch sicherlich umgekehrt? Klar, das geht!

So war mein neues Projekt „24h MTB Rennen als Solist“ initiiert. Ich teilte mir das Vorhaben in die Teilbereiche Leistungsvermögen, Kopf, Material und Betreuung auf. Für jeden Teilbereich machte ich eine Schwachstellenanalyse.

Bei der Leistung beschloss ich bis Juni meinem im Winter selbstgebastelten Trainingsplan zu folgen. Ab Juli ging es dann noch mal ans „Kilometerschrubben“, der Wattmesser diente nur noch dazu die langen Einheiten nicht nur im Schongang zu absolvieren. Gelegentlich wurde auch in der Nacht trainiert (vielen Dank an meinen Freund Matthias, der mich begleitete), krönender Abschluss meiner körperlichen Vorbereitung war dann die TransSchwarzwald.

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Die Betreuung stellte für mich keine Herausforderung dar, da diese mal wieder meine Freundin Melanie als erfahrene Betreuerin übernahm. Auch dir vielen lieben Dank dafür!

 

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Als Schwachstelle war schnell mein innerer Schweinehund identifiziert, er begleitet mich ja schon seit vielen Jahren bei meinen sportlichen Aktivitäten, er berät mich des Öfteren, jetzt doch lieber etwas anders zu machen oder zumindest heute mal einen Trainingswettkampf aus dieser Veranstaltung zu machen. Damit ich bei der zu erwartenden Auseinandersetzung im Laufe der 24h die besseren Argumente besitzen sollte, recherchierte ich zum Thema „mentales Training im Leistungssport“ und wurde fündig. Als mentale Vorbereitung visualisierte ich das kommende bei jeder Gelegenheit. Mit einer Handvoll Leitsätze, die ich oft mantra-artig wiederholte, wappnete ich mich.

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33° und kein Wölkchen am Himmel so starteten wir Biker auf den 7,5 Km langen Rundkurs durch das Messegelände und die angrenzenden Felder. Einzigsten Schatten spendete das Parkhaus des Messegeländes über der A8. sportograf-86044726_lowres

 

 

 

Alles schien nach Plan zu laufen,sportograf-86035278_lowres ich fuhr in meinem Tempo und ließ mich nicht von den schnellen 2er- 4er- und 8er-Teams zum schnelleren Fahren verleiten, mein Ziel war es so gleichmässig wie möglich zu fahren und Pausen auf ein Minimum zu beschränken. Nach jeder Runde bestellte ich bei Melanie meine Verpflegung für die kommende Runde. In Summe wurden so 35 Flaschen mit Sponsor Competition- oder Mineralgetränk, Apfelschorle, Cola und Wasser gereicht. Neben den Getränken wurden 8 Gel´s, 10 Riegel, 3 Silberlinge und als nichts mehr Süßes rein wollte ein Käsebrötchen und zwei Landjäger „verzehrt“.

Ich dachte immer in 4-Stunden-Abschnitten, dies schien mir vertraulicher zu sein. Mitten im zweiten Abschnitt, kurz bevor die Sonne „endlich“ untergehen wollte, zog es mir den Stecker. Der Akku schien schlagartig leer zu sein und ich musste eine Pause einlegen. Doof, darauf war ich jetzt noch nicht vorbereitet, die Probleme sollten doch erst später kommen. Auf keinen Fall den negativen Gedanken nachgehen, 20 Minuten Pause, eine Dusche am Feuerwehrschlauch und Melanies motivierenden Zuspruch ließen den Diesel wieder anspringen. Bis auf ein paar kleinere Tiefs, wechselnde Schmerzen an Händen, Füßen und zum Glück erst am Ende auch am rechten Knie, blieb ich von weiteren Krisen verschont.
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In der Nacht erhielt ich ungeplante Motivation durch den Zuspruch vieler Fahrer die im Teamwettbewerb standen:„Häng dich rein, ich zieh dich 200 Meter, du bist aber noch flott unterwegs, brauchst du ein Gel. Euch vom 3SaM Racing Team trifft man mittlerweile überall, tolles Team.“ Auch der Moderator gab mir ab dem frühen Morgen immer motivierende Worte mit auf die nächste Runde.

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Nach der Rennunterbrechung aufgrund eines starken Gewitters musste das Rennen um 8:30 Uhr neu gestartet werden. Da die Abstände zu den Plätzen 1 und 3 immer deutlicher wurden fuhr ich die letzten 2,5 Stunden so, dass das Risiko eines Defekts minimiert wurde. Um 11:56 Uhr wollte ich das letzte Mal die Ziellinie überqueren und mich entspannen, aber der Moderator peitschte mich noch mal raus auf die Strecke. Als Belohnung gab es dann einen wirklich grandiosen Zieleinlauf  mit Gänsehautfeeling.

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Belohnt wurde die Anstrengung mit dem 2. Platz in der Masterwertung.

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