Speedbegehung Bristen

Die Radsaison ist gelaufen, die Beine werden hochgelegt.  Zeit für die Familie und Entspannung.
Nicht ganz. Das Wetter in den Alpen ist spitze . Es liegt noch nicht viel Schnee aus dem Oktober. Wie wäre es mit einer schönen Gipfelbesteigung, am besten auf Zeit, quasi Speedbegehung? So richtig Gas geben vom Tal bis zum Gipfel?
Das wäre was, zumal die Beine nach einigen Laufeinheiten nicht ganz unvorbereitet ins Rennen gehen.
Zwei Tage familienfrei in den Herbstferien – das reicht leicht.
Auf der Suche nach einem Partner bleibe ich leider erfolglos, dann halt alleine.
Das Ziel: Ein Gipfel soll es sein, schön soll er sein, steil soll er sein, dazu schnell erreichbar und mit Laufschuhen gangbar. Nach einiger Recherche fällt die Wahl auf den Bristen.  3073 m hoch und vom Tal über 2500 m Höhenunterschied.
 
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Einziger Nachteil: Der Anstieg verläuft über die Nordseite und da könnte schon Schnee liegen – wird schon nicht zu viel sein und irgendwie gehen.
Montag morgen, 6 Uhr aufstehen, ab ins Auto und ab durch den Basler-Berufsverkehr. Die komplette Fahrt keine Sonne gesehen. Die lacht aber bereits 500 m höher über der Hochnebeldecke.
9 Uhr Amsteg. Sonst düst man hier vorbei auf dem Weg in den Süden, heute ist die Reise hier beendet.
 
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Das Thermometer zeigt 5 Grad, es ist nasskalt und dunkel. Noch warten? Nein, ich bin motiviert und kann es nicht abwarten es anzugehen. Mit den Stöcken am Bike und dem kleinen Rucksack am Rücken geht es los.
 
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Die ersten Meter auf Asphalt, dann Schotter und Waldwege. Den richtigen Rythmus finden und nicht überpowern, der Weg ist noch weit, sehr weit. Aber die Beine gehen gut. Leichtfüssig klettert das Bike die Kehren empor. Nach 30 Minuten sind bereits über 500 Hm geschafft.
Jetzt heißt es umsatteln auf die Laufstrecke. Steil zieht der Wanderweg durch den Wald nach oben. Die Stöcke helfen die Oberschenkel zu entlasten. Längst ist die Nebeldecke durchstoßen und der blaue Himmel über mir. Die Baumgrenze liegt unter mir. Schnell am Bach noch einmal die Trinkflasche aufgefüllt, 500 ml müssen für die nächsten 3 Stunden reichen.
Dann nach 90 Minuten, die wie im Flug vergangen sind, ist die Hütte und der Bristensee erreicht. 1600 HM sind geschafft. Das ging wirklich Flott! Es bleiben knapp 1000 HM übrig und jetzt beginnt das alpine Gelände. Kein Weg mehr, dafür Schotter und Schnee. Bis zum NO-Grat geht es noch ganz passabel, dann beginnt der Schnee und die Kraxelei. 2 Stunden sind mittlerweile um und der Grat zieht sich noch schier endlos empor. Weg suchen,  wo geht’s am besten? Zum Glück gibt es die Spur eines Bergsteigers. Im tiefen Schnee ist das die schnellste Möglichkeit. Manchmal bietet sich auch die Möglichkeit linksseitig vom Grat schneefrei in der Sonne zu klettern. Rechts am Nordwestgrat steigen zwei Personen auf. Sie sind deutlich höher als ich. Das gibt noch einmal Motivation für die letzten Meter. Der Schnee wird immer tiefer, ich wühle mich nach oben. Die Finger sind mittlerweile taub von der Kälte. Dann kommt das Kreuz in Sicht. Endspurt. Geschafft!
Die Uhr bleibt stehen bei 2:55 Stunden. Juhu. Herrlich.
 

Bristen Gipfel

 
Hier oben scheint die Sonne, es ist angenehm warm. Die Sicht ist gigantisch.
Am Gipfel sind wir zu viert. Welch ein Zufall. Die letzten Wochen war keiner hier oben und nun 5 Personen in zwei Tagen.
Auf den Tipp der Schweizer hin benutze ich für den Abstieg den Nordwestgrat. Dank des Schnees komme ich super schnell voran. In einer Mischung aus Laufen, Springen und Rutschen geht es hinab bis zur Schneegrenze. Jetzt ist es nicht mehr weit zur Hütte, wo ich einen der Schweizer wiedertreffe,  gemeinsam geht es gemütlich dem Tal entgegen. Die Oberschenkel spüre ich trotzdem nicht zu knapp. Jetzt das Bike, das wärs!
 
Nach einer ausgiebigen Rast in der Sonne laufe ich die letzten Meter dem Nebel entgegen. Dann ab aufs Rad und in Null Komma Nichts bin ich beim Auto. Nach rund 5 Stunden Bewegung bin ich wieder heil am Ausgangspunkt zurück!
Was bleibt ist das warme Gefühl alles richtig gemacht zu haben und eine unendliche Dankbarkeit solche Aktionen absolvieren zu können.
 
 

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