Tour de Kärnten

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Nachdem ich im Jahr 2018 in Bezug aufs „Radfahren“ nicht wirklich viel leisten konnte, sollte sich das 2019 ändern. Soweit der Vorsatz für das aktuelle sportliche Jahr: die Kilos wieder runter und Watt nach oben  …

Mal die Vorbereitung ganz anders anfangen,  war die Idee … zusammen mit Andreas bei der „Tortour de Gravel“ in der Schweiz  die ersten Wettkampfkilometer sammeln. Das Rahmenprogramm war verheißungsvoll, dementsprechend guter Dinge war ich. Leider kam mal wieder alles anders. An Tag 2 wurde mir eine Eisplatte zum Verhängnis: Diagnose konnte ich mir im Wald schon selbst geben –> Gebrochener Ellenbogen. Was folgte war am gleichen Tag die  OP und danach wochenlange Reha. Die ersten Gehversuche auf dem Rad nach der OP liess auch nur eine Schlussfolgerung zu … Fahren auf der Strasse bis wieder Kraft und Bewegung in den Arm zurückkehrt.

Daraus entstand dann die Idee mich mal auf dem Rennrad bei einem Etappenrennen zu probieren. Die „Tour de Kärnten“ bot sich an:  Trainings-Kilometer in schöner Landschaft abzuspulen. Weiterhin schienen die Daten der 6 Tage machbar –> 476 KM und 8800 HM.  Also ging es dann am 17.Mai mit der Familie ab nach Ossiach auf einen extrem schönen Campingplatz.

Nach der Ankunft noch schnell die Startnummer geholt, alles gerichtet und auf  Etappe 1 vorbereitet. Diese Automatismen kommen schneller zurück als man denkt und schon stand ich am 18. Mai um 10:30 im Startblock D … also ganz hinten. Ich hatte überlesen, dass man sich selbst in die Blöcke einteilen durfte. Egal, los ging es.

Etappe 1 –> Lokal Runde; 119 KM und 2280 HM

Start war jeden Tag in Ossiach. Neutralisiert ging es 12 KM nach Feldkirchen, wo dann der offizielle Startschuss gefallen ist. Das Profil bestand aus drei größeren Anstiegen – nie mehr als 500 HM. Was ich allerdings beim Rennrad schnell lernen musste war , dass es noch viel wichtiger ist als beim MTB, die richtige Gruppe zu haben. Dieses Learning durfte ich während der Tour noch öfter machen. Landschaftlich war die Lokal Runde eine Glatte 1 mit Stern. Wirklich toll und so waren die 119 KM auch sehr kurzweilig.

Etappe 2 –> EZF rund um den Ossiacher See; 28KM und 200HM

Gestartet wurde in gestürzter Reihenfolge in 30 Sekunden-Abständen. Demnach war ich recht früh dran und wusste aus der Erfahrung vom „Rider Man“, dass mir diese Disziplin nicht so  liegt. Im Ziel angekommen war ich aber mit meiner Leistung zufrieden und sehr beeindruckt, wie schnell manche Starter mit ihren Zeitfahrmaschinen an mir vorbeigeballert sind…unglaublich.

Etappe 3 –> Das Dach der Tour ; 96 KM und 1350 HM

Das Profil sah relativ entspannt aus. Heute ging es über die Ebene Reichenau hoch auf 1618 m. Hochrindl lag im Nebel, die Straße war nass und eine Baustelle gab es auch noch. Ergo: nasse schmutzige Strasse bei null Sicht = beste Voraussetzungen um eine schnelle Abfahrt zu bewältigen … nicht 😉 So kam ich um die erste Kurve und sah dort das Sanitätsmotorrad, zwei gestürzte Fahrer neben dem Motorrad stehend. Ab diesem Moment habe ich deutlich Tempo rausgenommen, bedacht darauf, wieder heile unten anzukommen. Glücklicherweise erwischte ich nach der Abfahrt in Deutsch-Griffen eine gute Gruppe mit der ich dann bis ins Ziel nach Glanhofen fahren konnte. Von dort hieß es dann 20 KM zurückradeln bis nach Ossiach.

Etappe 4 –> Bad Bleiberg (Bergankunft); 95KM und 1630 HM

Vom Start aus  ging es heute mal neutralisiert über Villach in Richtung Afritzersee und Feldsee. Das wellige Profil hatte zur Folge, dass  Startblock A&B zusammengefahren waren und es bis zum ersten Anstieg ein großes Hauptfeld gab. Erst hier sortierte sich das Feld wieder in seine Leistungsgruppen und man traf wieder Fahrer, die man auch in den letzten Tagen um sich hatte. Die Abfahrt war wieder schnell und meine Gruppe fuhr dann auch zusammen nach Zlan (18% Steigung) und danach ca. 20 KM zum Schlussanstieg. Dort fuhr jeder sein Tempo bis ins Ziel auf 926m. Vom Zielort ging es zurück Richtung Ossiach. 30 KM locker nachhause strampeln, glücklicherweise fanden sich immer Gruppen, die diese Heimfahrten gemeinsam gestalteten. Das machte es angenehmer.

Etappe 5 –> Burgen Runde; 93KM und 1810 HM

Bergankunft in Magdalensberg auf 1030m. Vorher ging es wieder neutralisiert über Feldkirchen raus, erster Anstieg Fuchsgruben bis nach Straßburg. Bis dahin konnte ich mich gut in einer großen Gruppe aufhalten und Kräfte sparen. Mein Ziel war es, den Anstieg nach Gunzenberg (400HM) möglichst weit vorne abzuschießen, denn die letzten Tage haben gezeigt, dass ich bei den Abfahrten immer deutlich verliere. Auch dieses Mal so passiert mit dem Ergebnis, dass ich die Gruppe verloren hatte. So ging es dann mutterseelenallein 20KM mit Gegenwind nach St. Michael am Zollfeld. Dabei musste ich sehen, wie sich meine Gruppe immer weiter von mir entfernte. So tat der 600 HM Anstieg rauf zum Magdalensberg besonders weh – vor allem der letzte KM mit einer Steigung von 20%. Als Zielverpflegung gab es einen Kaiserschmarrn, der für die Leiden entschädigte 🙂 Meine Heimfahrgruppe zum Campingplatz warte auch schon wieder auf mich und so strampelten wir heute 50 KM zurück.

Etappe 6 –> Berg(zeit)fahren; 43 KM 1530Hm

Irgendwie hatte jeder im Startfeld Respekt vor dem letzten Tag. Später wusste ich auch warum:  Das Bergzeitfahren war kein EZF sondern es wurde wieder in den Startblöcken neutralisiert gestartet. Wieder ging es die Prekova hoch und die ersten knapp 500HM waren geschafft. Gefunden hatte sich eine Gruppe, in der die einen Tempo machen wollten und die anderen nicht. Irgendwie ganz unruhig am letzten Tag. Bei KM 35,5 startete dann die Auffahrt zum Falkertsee mit Ziel bei KM 43. Hieß in Zahlen 800 HM in 7,5 KM. Ab jetzt durfte dann jeder für sich selbst sterben…oben im Skigebiet bei Schnee glücklich angekommen, fuhren wir dann die gleiche Strecke wieder zurück nach Ossiach. Erst dort stellte sich bei mir das Gefühl ein „gefinished“ zu haben. Darauf haben wir dann bei Pizza und Bier angestoßen :-)))))

Fazit:

Eine tolle Veranstaltung mit landschaftlich sehr schönen Strecken. Zudem einige nette Leute kennen gelernt und zur Erkenntnis gekommen, dass die Leistungsdichte auf der Strasse dichter ist als auf dem MTB.  Für mich durchaus eine gute Alternative zu den Stollenreifen, wobei ich noch einiges zu lernen habe.

Für die Familie war auch gesorgt. Kletterpark, Sommerrodelbahn und diverse Spielplätze in Fußnähe. Kärnten ist definitiv eine Reise wert. Wir kommen wieder!